Rückblick und Ausblick

Gestern wie heute und auch zukünftig zählen Behandlungseinheiten für die Nierenersatztherapie zu den Bereichen, in denen Patienten und Personal infektionsgefährdet sind. Die immunologische Abwehrschwäche der Dialysepatienten, die häufige und regelmäßige Wiederholung der extrakorporalen Behandlung großer Blutvolumina und komplizierte technische Installationen und Geräte verlangen von allen Beteiligten ein ausgeprägtes Hygienebewusstsein, um den Infektionsrisiken z.B. durch Viren, wie Hepatitis B, C oder HIV, oder einer Besiedelung mit MRSA, VRE oder multiresistenten gramnegativen Erregern (MRGN) wirksam zu begegnen.

Aus der Erkenntnis, dass die Minimierung der Übertragung von Infektionserregern nur fachübergreifend im Zusammenwirken aller am Behandlungsverfahren Beteiligten bewältigt werden kann, organisierte sich auf Initiative von Herrn Gorke (Klinikum Garmisch - Partenkirchen) und Frau Küntzle (Fortbildungsbeauftragte der Patientenheimversorgung, PHV) der Arbeitskreis für angewandte Hygiene in der Dialyse.

Der Beginn der Tätigkeit des Arbeitskreises im Jahr 1993 lag in einer Zeit des rasanten medizinischen und technischen Fortschritts und wachsender Therapiemöglichkeiten. Der Arbeitskreis entstand zunächst aus der Notwendigkeit heraus, einen Nachweis über die Effektivität von Desinfektionsverfahren der verschiedenen Dialysegeräte und Versorgungssysteme sowie deren Reproduzierbarkeit zu erbringen.

In Krankenhäusern gab es Anfang der 90er Jahre erste Umweltprojekte. Recycling und Hygiene bei Produkten und Verpackungen, Abwassermengen, Desinfektionsmitteleintrag, Energieverbrauch bzw. -verschwendung wurden ebenfalls erstmals thematisiert.

Die vorhandenen Richtlinien offizieller Stellen, die Bedienungsanleitungen für Geräte, usw. boten häufig unzureichende Informationen und wurden den Anforderungen der Praxis nicht immer gerecht. Der Zugang zu Informationen und Literatur gestaltete sich im Vergleich zu heute schwieriger.

Ziele und Arbeitsweisen des Arbeitskreises wurden schon in den ersten Sitzungen festgelegt und bestehen bis heute. Allgemein formuliert zielt die Arbeit auf Qualitätssicherung und –verbesserung der Hygiene im Dialysebereich. Um dies zu erreichen wurden Fragestellungen formuliert und Teilziele definiert, z.B.

  • das Wissen um Hygiene in der Dialyse für Hersteller von Medizinprodukten und Anwender zu vertiefen
  • vorhandene Richtlinien auf ihre Aktualität zu überprüfen und den erforderlichen Praxisbezug herzustellen
  • Empfehlungen und Anforderungen zusammen mit den Herstellern von Dialysegeräten und Dialyseverbrauchsmaterial zu erarbeiten
  • Standards zu Abnahme, Untersuchung und Evaluation mikrobiologischer Proben zu setzen
  • Behörden, Verbände und andere Entscheidungsorgane mit Fachexperten in Verbindung zu bringen, damit deren Expertise Eingang in Richtlinien findet
  • Grundlagen für die Schulung der Anwender zu erarbeiten

Konkrete Beispiele für die Ergebnisse aus dem Arbeitskreis sind u.a.

  • die Einführung validerter Prüfmethoden zum Nachweis der Wirksamkeit von Desinfekt-ionsverfahren an Hämodialysegeräten
  • die Einführung standardisierter Methoden zur mikrobiologischen Untersuchung von Wasser für Hämodialysezwecke
  • das Aufzeigen einer Möglichkeit zur Rückführung von HBV-, HCV- oder HIV infektiösen Dialysegeräten in den nicht infektiösen Bereich
  • Verfahrensvorschläge zur Integration der Hygiene ins QM 
  • die Schaffung eines Curriculums zur Fortbildung zur Hygienebeauftragten in der nephrologischen Pflege

Die Zusammensetzung des Arbeitskreises integriert alle am Dialyseprozess beteiligten Berufsgruppen und Institutionen

  • Krankenhaushygieniker
  • Bakteriologen und Virologen
  • Vertreter von Aufsichtsbehörden
  • Fachärzte für Nephrologie
  • Nephrologisches Pflegepersonal
  • Dialyseanbieter
  • Vertreter von Fachgesellschaften und Berufsverbänden der Nephrologie
  • Vertreter von Bildungsträgern
  • Dialysetechniker
  • Ingenieure für Hygiene, Medizintechnik, Arbeitssicherheit, Bau und Umwelt 
  • Hersteller von Dialysegeräten und Dialyseverbrauchsmaterialien, Wasseraufbereitungsanlagen, Desinfektionsmitteln

Um die sehr komplexen Themen effektiv bearbeiten zu können, wurden innerhalb des Arbeitskreises themenbezogene Arbeitsgruppen (bis zu 10 AGs) gegründet. 

In den Arbeitsgruppensitzungen wurden die Inhalte erarbeitet, in den Plenarsitzungen die Arbeitspapiere diskutiert und abschließend freigegeben. Vom Redaktionsteam wurden die verabschiedeten Arbeitspapiere für die jeweilige Veröffentlichung vorbereitet. 

Weit mehr als 70 Personen (einige arbeiten seit 20 Jahren aktiv mit) haben über die Jahre mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrem Engagement dazu beigetragen, dass Fachwissen für die Dialysepraxis unter Berücksichtigung von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien sowie nationaler und internationaler Veröffentlichungen und Standards zusammengefasst werden konnte. 

Mit der ersten in 1998 veröffentlichten „Leitlinie für die Praxis der angewandten Hygiene in Behandlungseinheiten für Dialyse“ stand zum ersten Mal für alle an der Dialysebehandlung beteiligten Berufsgruppen ein Ratgeber und Nachschlagewerk zur Verfügung, in dem die rechtlichen und technischen Anforderungen an die Hygiene mit den praktischen Erfordernissen des Dialysealltags in Einklang gebracht wurden.

Bereits 2005 wurde eine erheblich erweiterte 2. Auflage (mehr als 5000 Exemplare) sowie in 2009 eine englischsprachige Ausgabe veröffentlicht.

Mit ihrer erheblichen Durchdringung in den deutschsprachigen Ländern stellt die Leitlinie inzwischen eine Verständigungsgrundlage zwischen Dialysebetreibern und Aufsichtsbehörden dar.

Die Zusammenarbeit im Arbeitskreis war und ist geprägt von Respekt, Offenheit, gemeinsamen Lernen und detailgenauem Arbeiten. Ausdauer und Zähigkeit war und ist vor allem in den oft langwierigen Diskussionen gefragt, bis ein Konsens gefunden und ein Arbeitspapier verabschiedet werden konnte. 

Das Arbeitsklima im Arbeitskreis war und ist stets kollegial. Immer übernahmen Kollegen die notwendige Koordination der Arbeit, Arbeitsgruppen, Plenarsitzungen und Redaktion. Trotz der intensiven Beteiligung auch industrieller Partner war und ist die Evidenzbasierung der Aussagen und die strikte Produktneutralität ein wesentliches Arbeitsprinzip.

Während der Erarbeitung der nunmehr 3. Auflage der Leitlinie wurde am 18.01.2012 aus dem Arbeitskreis heraus die Deutsche Gesellschaft für angewandte Hygiene in der Dialyse e.V. (DGAHD e.V.) gegründet. Hierdurch entstand ein effizienter organisatorischer Rahmen für die Weiterentwicklung der zahlreichen Aufgaben des Arbeitskreises für angewandte Hygiene in Dialyseeinheiten.

Publikationen

Sehen Sie sich Publikationen des Arbeitskreis für Angewandte Hygiene in Behandlungseinheiten für Dialyse an.

Zu den Publikationen

Gründung der Deutschen Gesellschaft für angewandte Hygiene in der Dialyse e.V. (DGAHD e.V.)

Verfasst am 16.08.2012

Die Dialysebehandlung stellt sehr hohe Ansprüche an die Hygiene in den Behandlungseinrichtungen. Um Information und Fortbildung hierüber im Dialysebereich weiter zu fördern, wurde am 18. Januar 2012 der Verein „Deutsche Gesellschaft für angewandte Hygiene in der Dialyse e.V.“ mit Sitz in Münster gegründet. Satzungsgemäßer Zweck des Vereins ist die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege, insbesondere die Förderung des Verständnisses und Sensibilisierung für Hygiene in der Dialyse durch bildende Maßnahmen. Weiterlesen »

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