„Rückführung benutzter Maschinen bei Hepatitis E“

Praxisfrage:
Wir hatten einen Dialysepatienten mit Hepatitis E. Bisher haben wir die benutzte Maschine gesperrt. Könnten Sie uns bitte Informationen über das weitere Procedere bzgl. der Hygienemaßnahmen schicken? Sollen wir diese Maschine zurückführen, also Vorgehen wie bei Hepatitis B / C? Reicht eine Oberflächendesinfektion und eine normale Heizdesinfektion?

Antwort der DGAHD:
Vielen Dank für Ihre interessante Frage. Publizierte Hygieneregeln zum Umgang mit Hepatitis E an der Dialyse gibt es bisher nicht. Die Übertragung des 27-34 nm großen Viruspartikels erfolgt in der Regel fäkal-oral. Hygienemaßnahmen in der Dialyse sind daher insbesondere bei Patienten mit Durchfall bzw. Akuterkrankung zu treffen (Desinfektion sanitärer Einrichtungen nach Gebrauch, sorgfältige Händehygiene). Ein Durchtritt des Virus durch die Dialysemembran in die Hydraulik der Dialysemaschine ist – wie bei den übrigen Hepatitis Viren – extrem unwahrscheinlich (Porengröße max. 7 nm, Virus 27-34 nm).
Eine Infektionsgefahr kann von Blutspritzern auf Oberflächen in Patientennähe oder von Gerätschaften ausgehen, nicht jedoch durch das Innere der Dialysemaschine. Entsprechend ist eine Routinedesinfektion der Maschine mehr als ausreichend. Wichtig ist die geeignete Oberflächendesinfektion! Das Virus ist thermolabil und wird bei 60 ° inaktiviert. In der Routine reichen „begrenzt viruzide“ Desinfektionsmittel, in einer Ausbruchssituation würde man – ähnlich wie bei Norovirus – auf „viruzide“ Desinfektionsmittel zurückgreifen müssen.

„Gerätehandhabung bei Unterbrechungen der Dialysetherapie“

Praxisfrage:
Auf Intensivstationen müssen immer wieder Patienten wegen Untersuchungen, OPs usw. vom CVVH-Dialysegerät „abgestöpselt“ werden.
Eine beliebte / gängige Methode ist das sog. „Kurzschließen“ (im Internet zu lesen unter „Notfallanweisung für HHD“, Autor Thomas Lehn). Gibt es zu diesem Verfahren offizielle Informationen bzw. wie wird das in anderen Kliniken geregelt?

Antwort der DGAHD:
Das Kurzschließen und später wieder an den Patienten Anschließen eines Dialysesystems ist eine weit geübte Praxis – aus meiner Sicht aber sehr problematisch.
Es gilt die Regel: ein unbenutztes System darf gefüllt nicht länger als 1 Stunde stehen, bevor es zur Anwendung kommt (analog zu gerichtlich festgestellten Vorgaben für gebrauchsfertige Infusionslösungen).
Eine formale Quelle für die Antwort auf Ihre eigentliche Frage habe ich nicht gefunden. Somit behelfe ich mich mit einer Risikobetrachtung:
Es ist davon auszugehen, dass Kochsalzlösung mit Blutbeimengung einen hervorragenden Nährboden für das Bakterienwachstum abgibt, zumal wir die Systeme nicht kühlen können. Die Diskonnektion des Systems stellt dazu eine Risikosituation für Kontamination dar. Somit erscheint es mir keinesfalls statthaft, eine Standzeit des Systems bei 1 Stunde anzusiedeln, wie wir es für unbenutzte Systeme tun. Ich würde mich eher an der Generationszeit schnellwachsender Bakterien orientieren: E. coli verdoppelt seine Anzahl innerhalb von 20 Minuten. Diese Generationszeit wäre für mich die maximal vertretbare Zeitdauer, ein benutztes System zirkulieren zu lassen.

„küchenbereiche in der dialyse“

Praxisfrage:
Müssen Patientenküche und Personalküche zwingend räumlich getrennt sein oder reicht die Zonierung eines ausreichend großen Raumes aus?

Antwort der DGAHD:
Rechtsgrundlage für die Anforderungen der Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln ist die „Verordnung über Anforderungen an die Hygiene beim Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von Lebensmitteln (Lebensmittelhygiene-Verordnung - LMHV)“.
In dieser Verordnung ist festgelegt, dass Lebensmittel nur so hergestellt, behandelt oder in den Verkehr gebracht werden dürfen, dass diese bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung nicht ausgesetzt sind. Nachteilige Beeinflussung ist in der Verordnung wie folgt definiert: eine Ekel erregende oder sonstige Beeinträchtigung der einwandfreien hygienischen Beschaffenheit von Lebensmitteln, wie durch Mikroorganismen, Verunreinigungen, Witterungseinflüsse, Gerüche, Temperaturen, Gase, Dämpfe, Rauch, Aerosole, tierische Schädlinge, menschliche und tierische Ausscheidungen sowie durch Abfälle, Abwässer, Reinigungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel, Biozid-Produkte oder ungeeignete Behandlungs- und Zubereitungsverfahren.
Aus o. g. Forderung lassen sich die nachfolgenden Punkte ableiten:
Sind Patientenküche und Personalküche bzw. Personalaufenthaltsraum nicht voneinander getrennt, führt dies zwangsweise dazu, dass viele Personen diesen hochsensiblen Bereich betreten müssen. Dadurch kann eine nachteilige Beeinflussung der Lebensmittel nicht ausgeschlossen werden. Unbefugte sollten keinen Zutritt zur Küche haben. Unbefugt ist jeder, der nicht unmittelbar mit der Speisenzubereitung betraut ist. Zu diesem Personenkreis gehören z. B. Patienten und Besucher sowie im weiteren Sinne auch medizinisches Personal, welches nicht zur Speisenzubereitung eingeteilt ist.
Hier muss natürlich nach Versorgungssystem und den zu verwendeten Speisen differenziert werden. Werden in der Einrichtung lediglich vom Bäcker oder Caterer fertig belegte Brötchen oder Kaffeestückchen einzeln verpackt angeliefert und in der Küche bis zur Ausgabe im Kühlschrank gelagert, ist sicherlich keine separate Patientenküche erforderlich. Hier reicht ein separater Kühlschrank für die Speisen, die an die Patienten ausgegeben werden.
Wird hingegen in der Einrichtung gekocht, werden Brötchen frisch belegt oder Tiefkühlmenüs portioniert u. ä., ist eine Patientenküche erforderlich. Auf jeden Fall muss sichergestellt sein, dass es während der Zubereitungszeiten nicht zu einer nachteiligen Beeinträchtigung der Lebensmittel kommen kann. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Veterinäramt ist im Einzelfall vielleicht eine zeitlich-organisatorische Trennung möglich. D. h. während der Zubereitungszeiten wird die Küche nicht als Personalaufenthaltsraum genutzt.

„Küchenbereiche in der dialyse“

Praxisfrage:
Benötigt die Dialyse getrennte Kühlschränke?

Antwort der DGAHD:
Die Antwort auf diese Frage folgt der Argumentation nach der räumlichen Trennung der Küchen.
Speisen wie Wurst, Käse, Butter u. a die der Patientenversorgung dienen, sind getrennt von den vom Personal mitgebrachten Speisen zu lagern, um einer nachteiligen Beeinträchtigung vorzubeugen. Dies ist auch erforderlich, damit die Küche nicht von vielen Personen betreten werden muss.

„küchenbereiche in der dialyse“

Praxisfrage:
Muss für Patienten und Personal getrenntes Geschirr verwendet werden?
Muss die Spülmaschine desinfizierend sein und darf ich diese dann auch für das Geschirr des Personals einsetzen?

Antwort der DGAHD:
Mit dem Geschirr ist es nicht ganz so einfach. Zur Aufbereitung von Geschirr ist ein Reinigungsprogramm von mindestens 65° C erforderlich. In Bereichen für besonders infektionsanfällige Patienten (z. B. Onkologie, Transplantations- und Verbrennungseinheiten) sollte ein Desinfektionseffekt gemäß DIN EN ISO 15 993-1 vorhanden sein, für die Praxis sollten hier also Temperaturen von mindestens 80° C einstellbar sein. Diese Temperatur wird von handelsüblichen Haushaltsspülmaschinen nicht erreicht. Ob es sich bei der jeweiligen Einrichtung um einen Bereich mit besonders infektionsanfälligen Patienten handelt, muss der Betreiber der Einrichtung festlegen.
Viele Dialysen haben sich für Thermodesinfektoren entschieden, um eine desinfizierende Reinigung des Patientengeschirrs sicherzustellen. Werden diese eingesetzt, ist deren ordnungsgemäßer Betrieb mit geeigneten Methoden, z. B. mikrobiologische Wirksamkeitskontrollen oder Bestimmung des Temperatur-Zeitverlauf nachzuweisen. In einem solchen Thermodesinfektor kann auch das Personalgeschirr zusammen mit dem Patientengeschirr aufbereitet werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Mitarbeiter/innen der Pflege die gemeinsame Aufbereitung des Geschirrs häufig ablehnen. Weiterhin würde die gemeinsame Nutzung eines Geschirrspülers wieder dazu führen, dass die Patientenküche zu einem häufig und durch viele Personen frequentierter Bereich wird.